Diese Übersicht führt die veröffentlichten Entscheidungen zu Online-Coaching, Mentoring und dem Fernunterrichtsschutzgesetz (FernUSG) — jeweils mit Gericht, Datum, Aktenzeichen, Richtung der Entscheidung und Fundstelle. Grundlage sind die amtlichen Volltexte des Bundesgerichtshofs, die Landesdatenbanken und die Fundstellenapparate von beck-online. Aufgenommen wird nur, was sich mit Aktenzeichen belegen lässt; Berichte ohne Aktenzeichen bleiben draußen. Stand: 16. September 2026, Pflege vierteljährlich und bei jeder neuen BGH-Entscheidung.

Die Linie des Bundesgerichtshofs in fünf Sätzen

Ein Coaching- oder Mentoring-Vertrag, der als Fernunterricht einzuordnen ist, ist ohne Zulassung der ZFU nach § 7 Abs. 1 FernUSG nichtig — gezahlte Beträge können nach § 812 BGB zurückgefordert werden, und das gilt auch für Unternehmer (III ZR 109/24). Fernunterricht setzt räumliche Trennung, Wissensvermittlung und eine Lernerfolgskontrolle voraus; für die Kontrolle genügt bereits ein vertraglich vorgesehenes Fragerecht (III ZR 173/24, III ZR 73/25). Synchron-live geführte Formate mit echter Fragemöglichkeit in Echtzeit fallen regelmäßig nicht unter das Gesetz, aufgezeichnete und später bereitgestellte Inhalte schon (III ZR 137/25). Entscheidend ist der Schwerpunkt des vertraglich Geschuldeten, gewichtet nach der Bedeutung der einzelnen Bestandteile, nicht allein nach Stunden (III ZR 80/25, III ZR 142/25). Die §§ 7 und 12 FernUSG sind verfassungsgemäß (III ZR 74/25).

Richtung: Teilnehmer Entscheidung stützt Rückforderung/Nichtigkeit · Anbieter Entscheidung stützt den Anbieter · prozessual Zuständigkeit/Verfahren · überholt durch spätere Rechtsprechung aufgegeben. Fundstellen wie NJW, MMR, GRUR-RS und BeckRS sind Zeitschriften- bzw. Datenbanknachweise.

1 · Bundesgerichtshof

DatumAktenzeichenKernaussageFundstelle
07.05.2026III ZR 142/25„Business Class Mentoring“: Auch als Mentoring bezeichnete Programme können Fernunterricht sein; die Bestandteile werden nach ihrer Bedeutung für das Programm gewichtet.GRUR-RS 2026, 9121
12.02.2026III ZR 73/25Versäumnisurteil: Ein vertragliches Fragerecht genügt als Lernerfolgskontrolle; der Anbieter trägt eine sekundäre Darlegungslast zur Ausgestaltung seines Programms.WM 2026, 595 · CR 2026, 330 · WRP 2026, 481
05.02.2026III ZR 137/25Räumliche Trennung teleologisch reduziert: synchron-live geführtes Coaching mit Fragemöglichkeit in Echtzeit ist regelmäßig kein Fernunterricht; Aufzeichnungen sind asynchron; Beweislastregeln.NJW 2026, 1419 · MMR 2026, 516 · Bespr. NJW 2026, 1395
05.02.2026III ZR 74/25§§ 7 und 12 FernUSG sind verfassungsgemäß.WM 2026, 586 · GRUR-RS 2026, 2970
15.01.2026III ZR 80/25Einzelfall- und Schwerpunktformel für die Abgrenzung von Beratung und Wissensvermittlung.NJW 2026, 2258 · WM 2026, 583
02.10.2025III ZR 173/24Fragerecht genügt für die Lernerfolgskontrolle.GRUR-RS 2025, 27590 · ZIP 2026, 866
12.06.2025III ZR 109/24Grundsatzentscheidung: FernUSG schützt auch Unternehmer; Vertrag ohne ZFU-Zulassung nichtig; Rückforderung nach § 812 BGB; Grundsätze zum Wertersatz.NJW 2025, 2613 · WM 2025, 2126 · MMR 2025, 725
15.10.2009III ZR 310/08Frühere Leitentscheidung zur Lernerfolgskontrolle.zitiert in OLG Stuttgart 6 U 3/26

2 · Instanzgerichte seit der BGH-Linie (ab Juni 2025)

Gericht · DatumAktenzeichenRichtungKernaussageFundstelle
OLG Stuttgart · 28.07.20266 U 3/26AnbieterStundenbilanz entscheidet: rund 53 Stunden synchron/Präsenz gegenüber rund 31 Stunden Video → kein Fernunterricht; die Beweislast für Selbststudium trägt der Teilnehmer; ein Kompendium ohne Erläuterung ist keine Wissensvermittlung. Rechtskräftig; der Senat gibt seine frühere Linie (6 U 46/24) auf.GRUR-RS 2026, 17794 · landesrecht-bw.de
BayObLG · 20.07.2026102 AR 102/26 eprozessualGerichtsstand: doppelrelevante Tatsachen sichern die Zuständigkeit nach § 26 FernUSG; eine willkürliche Verweisung bindet nicht; die Zurückweisung der Nichtzulassungsbeschwerde III ZR 2/24 ist keine inhaltliche Bestätigung.BeckRS 2026, 16744 · openJur 2026, 7654
LG Karlsruhe · 07.04.202611 O 40/25TeilnehmerE-Commerce-Programm über die Plattform CopeCart (7.140 €): Live-Webinare heben die räumliche Trennung nicht auf; Rückzahlung ohne Wertersatz. Quelle: Bericht der Klägervertreter (coaching-widerruf.de); zweite unabhängige Quelle bei Redaktionsschluss nicht vorhanden.coaching-widerruf.de (2026)
AG Mannheim · 02.06.20262 C 1235/25TeilnehmerÜber die Plattform CopeCart vertriebene Programme (Videokurs und 16-Wochen-Beratung) bilden eine Einheit; die Aufspaltung in zwei Produkte umgeht das Gesetz nicht. Vertrag nichtig, 3.570 € zurück, kein Wertersatz. Nicht rechtskräftig; Quelle: Bericht der Klägervertreter.gr-anwalt.de (Magazin, 2026)
OLG Brandenburg · 19.05.20266 U 35/25AnbieterEin Fragerecht ohne Bezug zum Erlernten ist keine Lernerfolgskontrolle; die Gegenstandsklausel der AGB trägt den Schwerpunkt Beratung. Revision nicht zugelassen.BeckRS 2026, 14878 · gerichtsentscheidungen.brandenburg.de
LG Aachen · 25.02.202610 O 252/25TeilnehmerNichtigkeit mangels Zulassung.GRUR-RS 2026, 5199
OLG Hamm · 15.10.202512 U 63/25AnbieterAbgrenzung zum Dienstleistungsvertrag; eine „Fragen-Flatrate“ war dort keine Lernkontrolle — in Spannung zur späteren, großzügigeren Linie in III ZR 73/25.GRUR-RS 2025, 28070 · MMR 2026, 168
AG Paderborn · 05.09.202557a C 183/24AnbieterWertersatz in voller Vertragshöhe zugesprochen — die Teilnehmerin hatte den Großteil des Materials genutzt und Vergleichspreise nicht substantiiert bestritten. Nicht rechtskräftig.BeckRS 2025, 25951 · Bespr. DStR 2025, 2568
LG München I · 08.08.202547 O 12802/24offenRäumliche Trennung beim Online-Coaching.GRUR-RS 2025, 21602 · GRUR-Prax 2025, 711
OLG Düsseldorf · 29.07.202510 U 42/25TeilnehmerHinweisbeschluss: Nichtigkeit wegen fehlender Genehmigung.BeckRS 2025, 21250
LG Hamburg · 21.07.2025311 O 393/24offenTeleologische Reduktion, Sittenwidrigkeit, Rechtsverfolgungskosten.BeckRS 2025, 24056
OLG Celle · 09.07.202524 U 12/25AnbieterKein Fernunterricht bei Coaching zur Optimierung der persönlichen Lebensweise.BeckRS 2025, 19239
OLG Dresden · 25.06.202512 U 1710/24TeilnehmerAnwendbarkeit auf Online-Business-Coaching.GRUR-RS 2025, 45778

3 · Entscheidungen vor der BGH-Linie (Kontext)

Diese Entscheidungen sind für die Entwicklung wichtig; wo sie der späteren BGH-Rechtsprechung widersprechen, sind sie als überholt gekennzeichnet.

Gericht · DatumAktenzeichenRichtungKernaussageFundstelle
OLG Oldenburg · 21.05.202514 U 177/24aufgehobenVorinstanz zu III ZR 137/25.BeckRS 2025, 41277
OLG Dresden · 30.04.202512 U 1547/24TeilnehmerAnwendung auf Online-Coaching.NJ 2025, 310 · GRUR-Prax 2025, 515
OLG Düsseldorf · 31.03.202510 U 138/24AnbieterKeine Lernkontrolle beim bloßen „Effekt des Selbstlernens“.BeckRS 2025, 14387
OLG Celle · 04.02.202513 U 52/24TeilnehmerNichtigkeit mangels Zulassung.BeckRS 2025, 17504
OLG Stuttgart · 04.02.20256 U 46/24aufgegebenSynchrone Formate ohne räumliche Trennung — vom Senat in 6 U 3/26 ausdrücklich aufgegeben.BeckRS 2025, 988
OLG Oldenburg · 17.12.20242 U 123/24TeilnehmerStrukturierte Wissensvermittlung als Fernunterricht.BeckRS 2024, 48325
OLG Naumburg · 26.11.20241 U 41/24offenLernerfolgskontrolle als Tatbestandsmerkmal.NJ 2025, 270 · BeckRS 2024, 38494
OLG Nürnberg · 05.11.202414 U 138/24überholt„Videocoaching in der Regel kein Fernunterricht“.BeckRS 2024, 31915 · MDR 2025, 228
OLG München · 17.10.202429 U 310/21TeilnehmerFehlende Zulassung.NJW-RR 2025, 247
OLG Celle · 24.09.202413 U 20/24TeilnehmerRevision III ZR 149/24 anhängig; Rechtsfrage durch III ZR 137/25 der Sache nach geklärt.NJW-RR 2025, 113 · GRUR-RS 2024, 29930
OLG Stuttgart · 29.08.202413 U 176/23TeilnehmerVorinstanz zu III ZR 109/24.MMR 2025, 212 · GRUR-RS 2024, 22253
LG Ulm · 18.07.20245 O 81/24TeilnehmerExistenzgründer; Gerichtsstand nach § 26 FernUSG.GRUR-RS 2024, 52502
OLG Schleswig · 05.07.202419 U 65/24AnbieterMentoring im Unternehmerbereich wirksam.MMR 2025, 750 · BeckRS 2024, 21413
OLG Celle · 29.05.202413 U 8/24TeilnehmerNichtig auch mit einer Unternehmerin als Kundin.NJW-RR 2024, 1181
OLG München · 16.05.20243 U 984/24 eAnbieterKein Rückzahlungsanspruch im entschiedenen Fall.MMR 2025, 213 · GRUR-RS 2024, 19897
AG Fürth · 28.02.2024310 C 905/23Anbieter„Reiner Videolernkurs“ ohne Kontrolle.BeckRS 2024, 14967
OLG Hamburg · 20.02.202410 U 44/23überholtKeine Lernkontrolle angenommen.MMR 2024, 493 · NJW 2024, 2849
OLG Köln · 06.12.20232 U 24/23überholtNichtzulassungsbeschwerde zurückgewiesen (III ZR 2/24) — ohne inhaltliche Bestätigung.MMR 2024, 254 · GRUR-Prax 2024, 179
OLG Celle · 01.03.20233 U 85/22TeilnehmerPionierentscheidung der Rechtsprechungswelle — auch im B2B-Bereich.MMR 2023, 864 · BeckRS 2023, 2794

Was das für Betroffene bedeutet

Ob ein Vertrag angreifbar ist, entscheidet sich am vertraglich geschuldeten Format: Abruf-Videos, Workbooks, Lernplattformen und nachträglich bereitgestellte Aufzeichnungen sprechen für Fernunterricht; ein Programm aus überwiegend Live-Calls mit echter Fragemöglichkeit spricht dagegen. Die Anbieterseite gewinnt vor allem dort, wo sich die Beratung als Schwerpunkt belegen lässt oder Teilnehmer den Selbstlernanteil nicht nachweisen können (OLG Stuttgart 6 U 3/26, OLG Brandenburg 6 U 35/25). Verjährung: regelmäßig drei Jahre ab Kenntnis — bei Verträgen ab 2022 kann es bereits eng werden.

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Fundstellen: amtliche Volltexte des BGH (bundesgerichtshof.de), Landesdatenbanken (landesrecht-bw.de, gerichtsentscheidungen.brandenburg.de, openJur), beck-online-Fundstellenapparat (erhoben 28.08.2026). Angaben zur Rechtskraft, soweit bekannt. Dieser Beitrag informiert allgemein und ersetzt keine Prüfung des Einzelfalls. Weitere Ratgeber: Online-Coaching: Geld zurück? · Coaching-Vertrag kündigen · Anbieter-Check (ZFU)